Soziale Arbeit in Zeiten rechter Landnahmen
Veranstaltungsreihe
Rechtsautoritäre Ideologien greifen tief in gesellschaftliche Strukturen ein und fordern die Soziale Arbeit zunehmend heraus. Diese Veranstaltungsreihe beleuchtet die strategische Ausweitung rechter Diskurse, Machtansprüche und Einflussnahmen auf soziale, kulturelle und institutionelle Räume.
Ausgehend von der Metapher der Landnahme diskutieren wir, wie extreme Rechte nicht nur Wahlen gewinnen, sondern demokratische Werte und soziale Gerechtigkeit systematisch untergraben. Im Fokus stehen Auswirkungen auf Geflüchtete, soziale Bewegungen, politische Bildung, das Berufsfeld Soziale Arbeit sowie konkrete Handlungsperspektiven für Fachkräfte.
In sechs aufeinander abgestimmten Online-Terminen bieten Expert*innen aus Wissenschaft und Praxis fundierte Analysen, Impulse und Vernetzungsmöglichkeiten.
Zielgruppe: Fachkräfte und Studierende der Sozialen Arbeit, Lehrende, zivilgesellschaftlich Engagierte und Interessierte
Start: 30. September 2025
Uhrzeit: 18:00 - 19:30 Uhr
Ort: online
Programmüberblick
Bianca Kämpf & Eva Grigori
30. September 2025, 18:00 Uhr
Rechtsextreme Aktivitäten und demokratiefeindliche Einstellungen sind in Österreich seit Jahrzehnten Teil politischer, medialer und gesellschaftlicher Realität und rechtsextreme Narrative und Forderungen werden zunehmend normalisiert. Die Auftaktveranstaltung gibt zunächst einen Einblick in aktuelle Entwicklungen und empirische Befunde zur extremen Rechten. Anschließend wird die Frage verhandelt, wie Soziale Arbeit auf diese Herausforderungen reagiert – professionell, wissenschaftlich und politisch. Diskutiert werden Spannungsfelder, Verantwortung und Entwicklungsfelder im Umgang mit Rechtsextremismus
Júlia Weber & Christine Krüger
14. Oktober 2025, 18:00 Uhr
Wie gezielt handeln extrem rechte Akteur*innen im Bereich der Sozialen Arbeit? Gelingt es ihnen, Zugänge zu Angeboten Sozialer Arbeit zu verengen, diskriminierende Narrative in den vorpolitischen Raum Sozialer Arbeit zu tragen und eigene Angebote in ländlichen Räumen zu etablieren?
Soziale Arbeit wird von der extremen Rechten gezielt genutzt, um den vorpolitischen Raum zu beeinflussen. Ergebnisse aus den empirischen Untersuchungen aus Mecklenburg-Vorpommern/ Deutschland 21/22 sowie 24/25 zeigen: die extreme Rechte arbeitet strategisch auf eine Deprofessionalisierung Sozialer Arbeit hin. Adressat*innen und Fachkräfte erleben extrem rechte Einflussnahmen in Form von Bedrohungen, Ausschlüssen, Diskursverschiebungen u.a. als kontinuierliche Herausforderungen im (professionellen) Alltag. Im Beitrag werden Herausforderungen des Kampfs um diesen vorpolitischen Raum in der Sozialen Arbeit im Umgang mit der extremen Rechten auf Basis aktueller Befunde benannt sowie Potenziale der Institutionalisierung von Gegenmaßnahmen ausgelotet.
Seit Februar 2025 werden zudem im Forschungsprojekt „Social Work and the Far Right in European Democracies“ (SoFRiED) Einflussnahmen antidemokratischer und extrem rechter Tendenzen auf die Soziale Arbeit und ihre wohlfahrtsstaatlichen Bedingungen mit einer Mixed-Methods Forschungsanlage mit Fokus auf ländliche Räume in Österreich, Ungarn und Deutschland trinational vergleichend erforscht. Erste Erkenntnisse geben den Rahmen für die Einordnung der nationalen Forschungsergebnisse im europäischen Kontext.
Michaela Moser
4. November 2025, 18:00 Uhr
Wie lässt sich Demokratie im Alltag erfahrbar machen – gerade dort, wo sie durch soziale Ungleichheit, Abwanderung und autoritäre Erzählungen unter Druck gerät? Wie kann das Potenzial von Gemeinwesenarbeit als Motor für Teilhabe, Fürsorge und demokratischen Zusammenhalt besser genutzt und wirksam werden? Was bringen Beteiligungsformate wie Care-Räte, Projekte gemeinschaftlichen Wohnens und neue Formen solidarischer Sorgearbeit?
Nach einem Impuls zu theoretischen Konzepten, konkreten Handlungsmöglichkeiten und strukturellen Leerstellen soll dieser Abend Raum für Erfahrungen und Diskussionen zu den Möglichkeiten der Gestaltung demokratischer Gegenentwürfe bieten
Gilles Reckinger
18. November 2025, 18:00 Uhr
Der Vortrag beleuchtet anthropologische Perspektiven auf die Entrechtung von Menschen, die mit dem Boot über das Mittelmeer nach Europa gekommen sind und untersucht, wie sie trotz systematischer Ausgrenzung multilokale Lebensformen und transnationale Netzwerke realisieren. Im Zentrum steht die Analyse der Auswirkungen restriktiver Asylsysteme und Grenzregime, die Migrant*innen in rechtliche und ökonomische Prekarität drängen. Ethnographische Befunde verdeutlichen, wie sie unter Umständen extremer Ausbeutung Strategien des sprachlichen und wirtschaftlichen Überlebens entwickeln. Der Vortrag plädiert für ein tieferes Verständnis der Lebenswelten dieser unsichtbar gemachten Weltbürger*innen, deren kosmopolitische Alltagspraktiken Europa sowohl herausfordern als auch bereichern
Alexander Fontó & Michael Delorette
2. Dezember 2025, 18:00 Uhr
Was tun, wenn Klient*innen rassistische oder menschenfeindliche Aussagen machen? Die Veranstaltung bietet praxisnahe Ansätze und Reflexionsräume für den professionellen Umgang mit rechten Positionen im Arbeitsalltag. Im Zentrum stehen die Kompetenzen der Beziehungsgestaltung und der klaren Haltung, die gleichzeitig ein Spannungsfeld darstellen. Soziale Arbeit bietet den Raum, Spannungen, Widersprüchlichkeiten und Dilemmata auszuhalten und sie für die Arbeit mit der Klientel zu nutzen. Dazu braucht es Theorien, Methoden und eine Haltung, die dies ermöglicht. In diesem fachlichen Austausch soll es einerseits um diese Theorien und Methoden gehen, andererseits soll aber auch die professionelle Haltung reflektiert werden.
Die Referent:innen werden ihre Sichtweisen im Dialog präsentieren, Widersprüchlichkeiten aushalten und gleichzeitig das lebendig darstellen, worum es im gemeinsamen Gespräch geht. Gegenseitiger Respekt und Wertschätzung sind dabei elementar, auch wenn es zu unterschiedlichen Statements kommt. Das Ziel ist der gemeinsame Austausch von Gedanken und Sichtweisen, die Möglichkeitsräume eröffnet, gerade wenn’s rechts wird.
Michaela Moser & Eva Grigori
16. Dezember 2025, 18:00 Uhr
Zum Abschluss der Reihe geht es um das gemeinsame Tun: Was brauchen wir in der Sozialen Arbeit, um rechtsautoritären Politiken und Diskursen etwas entgegen halten zu können? Welche Initiativen, Netzwerke und Strategien gibt es bereits? Wie können wir uns gegenseitig stärken und neue Allianzen bilden?
Der Termin lädt ein zur Vernetzung, zum Austausch guter Praxis und zur Entwicklung neuer Ideen für eine widerständige Soziale Arbeit.