Stadt ohne Dach - ein inklusives Theaterprojekt

Projektbeschreibung

Die Regisseurin Greta Călinescu kam zunächst zufällig mit dem Obdach Forum in Kontakt. Ursprünglich sollte die Einrichtung lediglich als Schauplatz für ein Theaterprojekt dienen. In den Begegnungen vor Ort entwickelte sich jedoch die Idee, die Theatergruppe des Obdach Forum aktiv an der Konzeption und Umsetzung des Stücks zu beteiligen.

Das Theaterstück STADT OHNE DACH basiert auf den Erfahrungen von Menschen innerhalb des Systems der Wiener Wohnungslosenhilfe. Es macht sichtbar, wie dieses System historisch gewachsen ist und welche Leitwerte es prägen. Es thematisiert dabei kritisch, welche Ambivalenzen mit diesen Entwicklungen einhergehen. Die zunehmende Komplexität und Effizienz bringen strukturelle Qualität, führen aber auch dazu, dass Prozesse mechanischer werden und menschliche Nähe verloren gehen kann. Dabei gipfelt die Aufführung in dem Appell, dass Menschen, die auf dieses System angewiesen sind, nicht nur dessen Objekte, sondern aktive Mitgestalter:innen sein müssen. Um dies zu ermöglichen, fanden im Produktionsverlauf mehrere Treffen und Workshops statt, in denen sich die Teilnehmer:innen des Obdach Forum, die Regisseurin Greta Călinescu, der Schauspieler Maximilian Pulst und die Produktionsleiterin Caroline Welzl begegneten. In einem gemeinsamen Arbeitsprozess entstand Vertrauen und ein Raum, in dem persönliche Erfahrungen, Kritik und individuelle Perspektiven ernst genommen und szenisch aufgearbeitet wurden. Acht Teilnehmer:innen entschieden sich, selbst auf der Bühne mitzuwirken. Was zunächst als Mitwirkung in kleinen Rollen gedacht wurde, entwickelte sich zu einer intensiven künstlerischen Improvisationsszenerien entwickelt, Beteiligung: wodurch Gemeinsam wurden Texte und die individuellen Erfahrungen der Projektbeteiligten direkt in die Dramaturgie des Stücks eingewebt wurden. Dadurch wurden Teilnehmer:innen des Obdach Forum zu zentralen Mitgestalter:innen der Aufführung und zu Träger:innen einer eigenen künstlerischen Stimme.

Die Aufführungen selbst fanden im Obdach Forum statt. Im Anschluss kam es im Hotel JAZ zu Publikumsgesprächen, bei denen Besucher:innen und Künstler:innen miteinander in Austausch traten. Diese Gespräche erweiterten den Theaterraum um einen Ort gemeinsamer Reflexion. Die Inszenierung erfuhr große mediale und öffentliche Aufmerksamkeit und leistete damit einen Beitrag dazu, Obdach- und Wohnungslosigkeit nicht als individuelles Schicksal, sondern als gesellschaftliches und strukturelles Thema zu verstehen. Durch die kulturelle Verarbeitung persönlicher Erfahrungen wurden kritische Perspektiven auf die aktuelle soziale Ordnung eröffnet und dazu angeregt, bestehende Bilder, Vorurteile und Machtverhältnisse zu hinterfragen und neue Formen von Beteiligung und Sichtbarkeit marginalisierter Personen zu denken.

Link zur Homepage: Stadt ohne Dach